Was ist eine gute Absprungrate - Unsere Wahrheit

Hilfe, meine Absprungrate bei Google Analytics liegt bei 50 Prozent! Ist das jetzt noch ein guter Wert oder schon schlecht?

Die Frage nach einer guten Absprungrate (Bounce Rate) ist vergleichbar mit der Frage nach der richtigen Kleidung. Die Antwort lautet: Kommt drauf an! Für das Vorstellungsgespräch empfiehlt sich etwas anderes als für den Strand oder für den ersten Besuch bei den Schwiegereltern.

So weit, so unklar.

Leider lässt sich die Frage „Was ist ein guter Wert für die Absprungrate?“ nicht mit einem einfachen Merksatz beantworten. Denn manche Internetseiten haben eine sehr hohe Absprungrate und gelten damit trotzdem als erfolgreich.

Aber der Reihe nach.

Um bewerten zu können, ob eine Bounce Rate gut oder schlecht ist, sollte man zuerst wissen, wie diese überhaupt berechnet wird.

Was bedeutet die Absprungrate wirklich?

Der Begriff „Absprungrate“ suggeriert, es sei messbar, wie viele Besucher auf einer Website gleich wieder abspringen und wie viele sich tatsächlich länger mit dem Inhalt beschäftigen. Eine hohe Absprungrate, meinen viele, sei ein Indiz dafür, dass die Seite die Nutzer verschrecke.

Das kann so sein, muss aber nicht.

Eine Website weiß eben nicht genau, was der User macht. Liest er aufmerksam die Inhalte oder steht er an der Kaffeemaschine? Es gibt (noch) keine Technik, um das tatsächliche Konsumverhalten exakt zu erfassen.

Wie wird die Bounce Rate berechnet?

Und weil es diese Technik noch nicht gibt, behilft sich Google mit der Absprungrate, mit der Bounce Rate. Vereinfacht gesprochen, teilt Google Analytics alle User in zwei Gruppen ein und misst, wie hoch der prozentuale Anteil beider Gruppen ist:

  1. User, die nur eine einzige Interaktion (Google Analytics Treffer) mit der Website haben und danach verschwinden
  2. User, die mehr als eine Interaktion mit der Website haben

Nehmen wir an, 100 Nutzer rufen eine Website auf. 30 davon sehen sich die Seite an (Treffer=Seitenaufruf) und verlassen sie wieder, ohne ein Element auf der Site angeklickt zu haben, wie etwa einen Link, ein Bild, eine Grafik oder irgendetwas anderes. Die anderen 70 User interagieren mit der Website und erzeugen damit einen zweiten Google Analytics Treffer In diesem Beispiel liegt die Absprungrate bei 30 Prozent.

Berechnung der Absprungrate
Beispiel mit einer Absprungrate von 30%

 

Das ist nur ein stark vereinfachtes Beispiel, Google Analytics kann zur Beurteilung der Absprungrate noch andere Variablen heranziehen.

Sind 50 Prozent Absprungrate bei Google Analytics für meine Website normal?

Eine einzige Sitzung zählt für Analytics als Absprung – und lässt damit außen vor, dass ein Nutzer mit seinem Besuch ja völlig zufrieden sein kann.

Das ist auch schon gewissermaßen der Geburtsfehler der Absprungrate. Die Zahlen sind weder eindeutig, da ein „Absprung“ nicht immer „unzufriedener User“ bedeutet. Noch sind die Zahlen im streng wissenschaftlichen Sinne gültig, schon alleine deshalb, weil manche User ja Tools nutzen, um eine Verfolgung (Tracking) durch Google und andere Dienste zu verhindern.

Trotzdem ist die Absprungrate ein wertvoller Indikator für Betreiber von Webseiten. Und das kommt so:

Eine hohe Absprungrate ist schlecht, wenn…

  • der Erfolg einer Website darauf basiert, dass User mit der Site interagieren, also zum Beispiel Produkte kaufen, Newsletter abonnieren oder um ein Angebot bitten
  • eine Website dem User zunächst einen Überblick über eine Produktgruppe bieten will, um ihn dann auf eine Detailseite zu bringen. Beispiel: ein User sucht nach blauen Jacken. Findet er die passende Jacke, klickt er auf die Detailseite der Jacke – ein Erfolg. Bietet ihm die Übersicht aber statt blauer Jacken nur rote Hüte, verlässt er die Seite wieder.

Eine hohe Absprungrate ist gut, wenn…

  • Die Site keine weitere Interaktion vom Nutzer verlangt, um als erfolgreich zu gelten: Wikipedia zum Beispiel, oder ein Blog für Fachleute. Jemand googelt einen Sachverhalt, landet auf dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag oder Blogartikel, liest ihn komplett von A bis Z durch und schließt zufrieden den Tab. Gemessene Verweildauer von Google: null Sekunden, der Besuch gilt als Absprung.

Ist eine hohe Absprungrate also schlecht für Seiten wie Wikipedia oder Blogs? Nein, natürlich nicht, die Site hat zu 100% ihren Auftrag erfüllt: Ein User hat sich den kompletten Content durchgelesen.

Ob eine Absprungrate gut oder schlecht ist, hängt also vom Typ der Seite ab.

Einordnung Absprungrate je Seitentyp
Grobe Einordnung von Absprungraten je Seitentyp

Hochspezialisierte Seiten mit echtem Content dürfen eine möglichst hohe Absprungrate haben (beispielsweise Anleitungen, How-To’s, Produkttests, Erfahrungsberichte usw.). Seiten, die User auf andere Seiten verteilen sollen, sind eher bei möglichst niedrigen Absprungraten als erfolgreich anzusehen.

Eine hohe Bounce-Rate ist schlecht für Seiten eines bestimmten Typs

Der Umkehrschluss gilt nur für Content-Seiten: Hier ist auch eine niedrige Absprungrate okay, denn diese ist ja in jedem Fall wünschenswert. Interaktions-orientierte Seite sollten eher keine hohe Absprungrate haben, da sie dann ihren Zweck nicht erfüllen.

Stellen Sie sich also bei jeder Ihrer Seiten die Frage: Was will ich mit der Site erreichen? Wenn Sie wissen, was Sie erreichen wollen, können Sie auch entscheiden, ob Sie mit Ihrer Absprungrate leben können oder eher nicht.

In unserem Whitepaper zur Erhöhung der Verweildauer befindet sich ein einfach anzuwendendes 5-Punkte-System mit dem definiert werden kann, welche Absprungrate und Verweildauer je Seitentyp in Ihrem Projekt angemessen ist.

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