Google führt einen neuen Rankingfaktor ein. Welche Auswirkungen hat das?

Anfang August hat Google auf seinem Webmaster-Blog mitgeteilt, dass HTTP ab sofort ein Rankingfaktor ist. Das bedeutet, dass Seiten, die standardmäßig Verschlüsselung nutzen, besser bewertet werden.

Warum tut Google dies?

Schon früher haben wir erklärt, dass Googles Updates das menschliche Verhalten in den Mittelpunkt rücken. Webseiten sollen so bewertet werden, wie ein Nutzer dies auch tut. Und für den ist eine verschlüsselte Verbindung in Anbetracht der Meldungen zur ständigen Überwachung seit letztem Sommer zu einem Mehrwert geworden. Das Prädikat „verschlüsselt“ wirkt.

Es mag so aussehen, als ob Google hier nur einem kurzfristigen Trend nachjagt. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Man geht dort mit diesem Schritt nur den Weg konsequent weiter, der schon seit langem angekündigt und dann in mehreren Schritten umgesetzt wurde. Schon seit 2010 kann man die Google-Suche verschlüsselt nutzen, und ab Ende 2011 wurden die Seiten schrittweise so umgestellt, dass verschlüsselte Verbindungen standardmäßig verwendet werden. Google hat sogar eine neue Version des HTTPS-Protokolls namens SPDY entwickelt, die nicht nur eine effizientere Datenübertragung ermöglicht, sondern auch immer verschlüsselt arbeitet.

Für Google ist Verschlüsselung kein Trend, sondern eine Notwendigkeit. Spätestens seit dem Aufkommen der Smartphones gehen die Nutzer unterwegs ins Netz. Dabei benutzen sie öffentliche WLANs, in denen prinzipiell jeder die Daten mitlesen kann. Immer, wenn dabei ein „bedauerlicher Einzelfall“ auftritt, bei dem sicherheitsrelevante Daten abgehört wurden und einem Nutzer daraus ein Schaden entsteht, geht das durch die Presse. Dies schadet dann dem mobilen Internet ganz allgemein und Google im Speziellen. Ein Großteil der Nutzer verwendet Android und damit Google-Dienste, über die der Konzern starke Umsätze einfährt. Den Weg zu konsequenter Verschlüsselung kann man also auch als Investitionsschutz betrachten.

Welche Konsequenzen hat das für Webseitenbetreiber?

Momentan ist HTTP nur ein schwacher Faktor und weniger als 1 % der weltweiten Suchanfragen sind davon betroffen, aber Google deutet bereits an, dass man es in Zukunft stärker in die Bewertung einfließen lassen könnte. Für Webseitenbetreiber ist es daher sinnvoll, sich schon jetzt an die technische Umsetzung zu begeben. Es ist nämlich nicht damit getan, sich ein beliebiges SSL-Zertifikat zu kaufen und es auf den Server zu kopieren.

Zunächst einmal ist das richtige Zertifikat mit starker Verschlüsselung zu wählen. Dann ist der Webserver entsprechend zu konfigurieren, um keine schwach verschlüsselten Verbindungen zu akzeptieren und TLS zu erzwingen. Außerdem sollte man PFS und HSTS nutzen und überprüfen, ob der Server schon vor dem Heartbleed-Bug geschützt ist. Die vielen Fachbegriffe dürften bereits klar machen, dass man hier als Laie eine Menge falsch machen kann. Holen Sie sich also fachkundige Unterstützung. Nachdem SSL eingerichtet wurde, kann man die Qualität mit dem SSL Server Test der Qualys SSL Labs überprüfen.

In aller Regel sind nach der Einrichtung von HTTPS auf dem Server noch Anpassungen an den Webseiten vorzunehmen. In den meisten Fällen werden dort noch alle Links mit dem HTTP-Protokoll generiert. Am effizientesten ist es, die Seite selbst umzustellen. Alternativ kann man entsprechende Weiterleitungen definieren. Dabei ist darauf zu achten, dass man keine ineffizienten Mehrfachweiterleitungen definiert, die dann die Latenz von Seitenabrufen erhöhen.

Eine Antwort zu “HTTPS wird Rankingfaktor”

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