– Das ändert sich für Webmaster.

Heimlich, still und leise hat Google eine der größten Veränderungen in seiner mittlerweile 15-jährigen Geschichte durchgeführt. Wie der Suchmaschinengigant letzte Woche auf einer Pressekonferenz anlässlich seines 15. Geburtstages verkündete, wurde bereits vor etwa einem Monat ein gänzlich neuer Suchalgorithmus mit dem Namen „Hummingbird“ (z. Dt. Kolibri) eingeführt.

Dabei handelt es sich laut Google nicht etwa um Anpassungen am alten Algorithmus, wie sie mit mehr oder weniger Wirkung regelmäßig durchgeführt werden, sondern um die nächste Evolutionsstufe der Google-Suche.

Gemessen an seiner Körpergröße gilt der Kolibri als schnellstes Wirbeltier der Welt. Außerdem ist er dank 40 bis 50 Flügelschlägen pro Sekunde in der Lage, sich äußerst flexible und präzise zu bewegen. Genau diese Tugenden verspricht sich Google auch von seinem Hummingbird, der die Suchergebnisse noch schneller und präziser ausliefern soll als der bisherige Algorithmus.

Bessere semantische Zuordnung

Laut Google sollen ca. 90 % aller weltweiten Suchanfragen von dem neuen Algorithmus betroffen sein. Wie sich der Einfluss auf die Suchergebnisse in der Praxis darstellt, wurde jedoch nicht bekannt. Die Richtlinien für Webmaster haben sich ebenso wenig geändert wie die über 200 Ranking-Faktoren, die ihre Relevanz behalten. Die Gewichtung der einzelnen Faktoren könnte sich jedoch weiter in Richtung Content Based Ranking verschieben.

Die beiden einschneidenden Updates am alten Algorithmus (Panda und Penguin), die für eine erhöhte Qualität der Suchergebnisse durch Bevorzugung von Websites mit gutem Content und natürlichen Linkprofilen sorgten, sind indes wohl im neuen Algorithmus übernommen worden.

Mit Hummingbird versucht Google, komplexe Suchanfragen besser zu interpretieren. In den Suchergebnissen sollen die Intention einer Suchanfrage bzw. die Bedürfnisse des Nutzers stärker berücksichtigt werden als bisher. Damit geht Google einen weiteren Schritt weg vom Keyword-Matching hin zu einem besseren Verständnis der jeweiligen Suchanfrage.

Conversational Search profitiert

Anstatt allein die verwendeten Keywords zu berücksichtigen, können durch die weiter verfeinerte semantische Zuordnung auch ganze Sätze thematisch besser eingeordnet werden. Die Suchanfrage wird in einen Kontext gesetzt und die verwendeten Suchbegriffe in diesem Kontext auf ihre Substitutionselastizität hin gewichtet. Gegebenenfalls werden Begriffe aus der Suchanfrage ersetzt, um potenziell bessere Ergebnisse zu liefern.

Davon profitiert insbesondere die Conversational Search, also die Suche per Spracheingabe auf einem Mobilgerät. Dank der Berücksichtigung vergangener Suchanfragen versteht die Android-App von Google nun auch implizite Bezüge. So lässt sich im Anschluss an eine Suche nach dem neuen World Trade Center in New York beispielsweise fragen, „Wie hoch ist es?“ Google versteht, dass der vorher gesuchte Begriff gemeint ist, und liefert die Antwort: 541 m.

Hummingbird im Überblick:

  • gänzlich neuer Ranking-Algorithmus
  • vermutlich seit Ende August live
  • ca. 90 % aller Suchanfragen sollen betroffen sein
  • vor allem komplexe Suchanfragen werden besser interpretiert
  • erkennt verschiedene Bedeutungen/Synonyme
  • setzt Suchanfragen in einen Kontext
  • liefert Antworten auf konkrete Fragen
  • Vorteilhaft bei gesprochenen Suchanfragen

Integration verschiedener Google-Dienste

Alles in allem zeichnet sich eine Fortsetzung von Trends ab, die in verschiedene Google-Diensten bzw. -Patenten bereits zu finden sind. Für die Ausgabe der Suchergebnisse könnte also auf Erkenntnisse aus dem Knowledge Graph, Google Now, Google Instant sowie die Auswertung von durch Cookies erhobene Daten zurückgegriffen werden. Mit Google Now war Google schon zuvor in der Lage, einfache Fragen z.B. nach dem Wetter oder nach Wechselkursen kontextbasiert zu beantworten.

Hummingbird scheint eng mit den Informationen aus dem Google Knowledge Graph verknüpft zu sein, der im Zuge der Einführung des neuen Algorithmus‘ erweitert wird. Knowledge-Graph-Inhalte erscheinen in einer separaten Box direkt über oder neben den Suchergebnissen und beinhalten zum Beispiel Informationen über berühmten Personen oder das aktuelle Wetter. Nun können im Knowledge Graph auch Objekte miteinander verglichen bzw. verschiedene Auflistungen zu einer Suchanfrage abgerufen werden.

Wie können Webmaster auch künftig für ein gutes Ranking sorgen?

Es scheint so, dass Google im Hummingbird all die Neuerungen und Erkenntnisse vereint und dabei ausgehend von einer immensen Datenbasis die Suchergebnisse so anordnet, dass die durch Google interpretierten tatsächlich hinter einer Suchanfrage liegenden Bedürfnisse des Nutzers bestmöglich befriedigt werden. Hierzu tragen die im alten Algorithmus weitgehend ausgereiften Anti-Spam Maßnahmen durch die Penguin- und Panda-Updates bei.

Davon ausgehend sollten Webmaster zum einen auf einen sauberen und natürlichen Linkgraphen ihrer Websites achten. Das Credo „Content is King“, das mit dem Panda-Update deutlich an Bedeutung gewonnen hat, wird darüber hinaus zunehmend entscheidender für eine gute Platzierung in den Suchergebnissen. Dass die übermäßige Anhäufung von Keywords auf einer Website (Keyword-Stuffing) das Ranking nachteilig beeinflusst, ist bekannt.

Durch die Substituierung von Keywords in der Suchanfrage der Nutzer durch Hummingbird gewinnt die Qualität der Texte in besonderem Maße an Bedeutung. Denn Hummingbird ist vor allem eines: semantischer denn je. Daher ist es ratsam, den Inhalt einer Website auf die speziellen Kundenbedürfnisse hin auszurichten, die mit der Seite befriedigt werden sollen, und dabei  – insbesondere durch die Nutzung von Synonymen – sprachliche Vielfalt in den redaktionellen Texten anzustreben.

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