Die digitale Wirtschaft NRW

Während der Sommer in Deutschland zur Neige geht, macht sich eine andere Welt bereit für ihre nächste Wachstumsphase: die Werbebranche versammelte sich am 13. Und 14. September in Köln, um sich über die neuesten Entwicklungen im Online Marketing auszutauschen.

Dominiert wurde die Messe aus meiner Perspektive vor allem von der Frage, wie man verwaiste Warenkörbe verhindern und Kunden, die den Shop bereits verlassen haben, doch noch zum Kauf animieren kann.

Künstliche Intelligenz soll bisherige Analysetools ersetzen, um ein noch genaueres Bild vom Kunden zu bekommen.

Kundenbindung über Kundengewinnung

Haben Sie schon einmal von der Experience Cloud gehört? Das neue Produkt von Adobe soll alle bekannten und weniger bekannten Marketing-Tools in einer einzigen Lösung vereinen und zentral steuerbar machen. Ziel ist es, mit nur einer Eingabe die Einstellungen in allen Marketing-Kanälen zu einem Produkt gleichzeitig zu ändern und mit Hilfe umfassender Analysen Kunden individuell und zielgerichtet anzusprechen. Mit speziellen Triggern, die man selbst konfigurieren kann, sollen bestimmte Ereignisse kundenspezifisch ausgelöst werden. So sollen beispielsweise Kunden, die ein Produkt in den Warenkorb gelegt, jedoch keinen Kaufabschluss getätigt haben, per automatisierter Mail ein individuelles Rabattangebot bekommen, das letztlich doch noch zu einer Kaufentscheidung führt.

Machine Learning und Programmatic Advertising

Mit dem Wunsch, verloren geglaubte Kunden doch noch zu aktivieren, steht Adobe nicht alleine da. Dieses Ziel hatten sich nicht wenige der Stände auf die Fahnen geschrieben. Um es zu erreichen, sind nach Meinung einiger Messeteilnehmer Programme gefragt, die vom Kaufverhalten der Kunden und ihren Bewegungen im Netz lernen und anhand dieser Erkenntnisse vollautomatisch individualisierte Werbung ausspielen sollen.

Künstliche Intelligenz (KI) soll Kunden durchleuchten

Man erhofft sich, bald schon seine Kunden genauer einschätzen zu können, um Vorhersagen zum Verhalten treffen und bestenfalls an der richtigen Stelle Werbung ausspielen zu können, noch bevor dem Kunden sein Wunsch selbst klargeworden ist. Das mag rein theoretisch irgendwann möglich sein, doch in der Praxis sollte man allzu bald mit dieser Möglichkeit noch nicht rechnen, zumal sie nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche Komplikationen birgt.

Ein künstliches Superhirn, das lernt wie ein Mensch und komplett alle Werbemaßnahmen konzipiert und umsetzt, wird es so bald wohl nicht geben.

Arvato von Bertelsmann hatte sich in Sachen künstliche Intelligenz übrigens etwas einfallen lassen, was bei ordentlicher Umsetzung ein wirklich interessantes Gimmick hätte sein können: L.I.S.A. (Logical Information System Arvato) begrüßte alle Gäste am Stand. Wenn auch nur durch ihre bloße Anwesenheit, denn der japanische Roboter war nur für einen Bruchteil seiner eigentlichen Funktionen programmiert.

Künstliche Intelligenz auf der DMEXCO 2017 mit L.I.S.A

Internationalisierung schreitet voran

Nach meinem Besuch bei Adobe und Arvato besuchte ich den Stand von Google. Dutzende tummelten sich dort, obwohl Google selbst gar nicht viel zu sagen hatte, was mich zu dem Schluss kommen ließ, dass das Unternehmen mehr auf der dmexco präsent war, weil es von ihm erwartet wurde, und nicht, weil es dort Neuigkeiten zu präsentieren gedachte.

Dies auf einer deutschen Digitalmesse zu erwarten, würde allerdings auch sehr an eine Überschätzung des Standortes Deutschland grenzen, ist doch Geburtsort und Ausgangspunkt der gesamten Digitalisierungswelle in den Vereinigten Staaten angesiedelt. Aufgrund dessen wie auch wegen der internationalen Ausrichtung der Messe war Englisch als Lingua Franca omnipräsent.

Wer kein Englisch kann, kommt auf der dmexco nicht weit.

Die Internationalisierung schreitet unaufhaltsam voran, daran kann auch ein neuer amerikanischer Protektionismus nichts ändern. Wer vernetzt sein und den Puls der Zeit fühlen möchte, muss mit der Welt außerhalb des deutschen Sprachraumes kommunizieren können. Auch viele Mittelständler hierzulande haben das bereits begriffen und treffen entsprechende Maßnahmen.

Statt Themen bot der Google-Stand lieber dekorative Wände

Übrigens: Printwerbung gibt es noch

Aus der Halle der Branchenriesen wanderte ich hinüber in die nächste Halle, wo mich Stand für Stand jede Menge Infos zu vielen weiteren Analyse-, Automatisierungs- und Werbetools sowie zahlreichen Bezahlsystemen erwarteten. Gut war, dass es an fast jedem Stand irgendetwas zu essen oder zu trinken gab, oft sogar kostenlos.

Ein Stand stach unter diesen jedoch besonders heraus: adnymics, ein Unternehmen für Printwerbung aus München, war auf die Idee gekommen, seinen Kulturbonus mit zur Messe zu bringen: Freundlich wurde man dort begrüßt von jungen Männern in Lederhosen und auch einer jungen Dame im Dirndl. Das war mir gleich ein Foto wert.

Zugegebenermaßen war es gar nicht leicht, sich im Durcheinander der Angebote zurecht zu finden.

Es gab keine Bereiche nach Kategorien, alles war sehr durchmischt und so Stand SEO-Agentur neben Payment-Anbieter neben ECommerce-Marketing-Anbieter usw. Wer kann da schon alle Angebote miteinander vergleichen. Bei dem Gewusel wurde mir zumindest eines klar:

Es ist schön, auch mal auf seine lokalen Anbieter vertrauen zu können.

Zuletzt: Die Zukunft ist schon 2 Jahre alt

Ins Jahr 2015 reiste Marty McFly damals im Blockbuster „Zurück in die Zukunft II“ von 1989. In Erinnerung geblieben sind mir vor allem die fliegenden Autos, die man sich vor knapp 30 Jahren als für die heutige Zeit gesetzt vorstellte. Was wir daraus lernen? Folgendes: Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Aber es macht Spaß, von einer fantastischen Zukunft zu träumen, auch wenn sie am Ende anders aussieht, als man erwartet hat. Oder wie der Kölner sagt: „Et es wie et es, et kütt wie et kütt und et hätt noch emmer joot jejange.“

Der DeLorean: Eine freundliche Leihgabe von Marty McFly
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